Hausärzte in Bayern wollen aus dem gesetzlichen Krankenkassensystem aussteigen
Der Verband der Hausärzte in Bayern sieht “keine Perspektive” für eine Zusammenarbeit mit den Krankenkassen und überdenkt einen völligen Ausstieg aus dem System. Die Hausärzte beklagen zu viel Bürokratie, mangelnde Betreuung von Patienten und vor allem schlechte Bezahlung durch die Gesundheitsreformen der letzten Jahre.
Am Mittwoch stimmten daher mehrere Tausend Ärzte bei einer Versammlungen in Nürnberg über eine kollektive Rückgabe ihrer Kassenzulassungen ab. Dabei müssen sich mindestens 70 Prozent der Mediziner für den Ausstieg aus dem Kassensystem zum 1. Juli aussprechen.
Für die Ärzte wäre das ein schwerwiegender Schritt. Eine Rückkehr in das System der Krankenkassen ist erst nach sechs Jahren möglich, in Regionen ohne ärztliche Überversorgung.
Bei der Sitzung der Nürnberger tritt der eigentlich engagierte Notar aus Bayern, der die Auszählung der Erklärungen vornehmen sollte, erst gar nicht auf. Das Justizministerium in München hat dem Urkundsbeamten über die Notarkammer mit Konsequenzen gedroht hat, weil das Vorgehen des Bayerischen Hausärzteverbandes unerlaubt oder als unredlich angesehen werden könnte. Ein Rechtsanwalt übernimmt diese Aufgabe.
Die Auseinandersetzung scheint von allen Seiten sehr ernst genommen zu werden. Über das Ergebnis wurde noch nichts bekannt - die Auszählung kann bis zum Frühjahr dauern. Ein ernsthafter Warnschuß der zeigt, wie verhärtet die Fronten sind, ist es aber allemal. Zumindest ist die Aktion in Bayern ein Feldversuch der die Gefahr birgt, sich zu einem Flächenbrand ausbreiten zu können.








ramberg schrieb:
So lange der schlecht informierte Bürger nicht weiss wie das Gesundheitswesen organisiert ist, wird es schwer Urteile abzugeben.
Welche Rolle spielt die Kassenärztliche Vereinigung? Wieviel % vom Umsatz/Gewinn bekommt sie von den Hausärzten?
Was macht sie damit?
Ist die KV nicht überflüssig?
Wer kann sie abschaffen?
Wer kann die alten Strukturen zugunsten neuer, intelligenter, kostengünstiger, menschlicher Strukturen ändern?
Lass die Hausärzte kündigen. Dann weiß der Patient woran er ist.
Welcher Arzt noch traditionelle Werte vertritt, und wer sich als “IGEL Dienstleister” sieht, mit dem Ziel der Profitmaximierung.
Geschrieben am 31. January 2008 um 22:15Uhr | Permalink
Bernd schrieb:
Wer braucht denn Heute noch einen Hausarzt?
Ich habe seit 30 Jahren keinen mehr aufgesucht.
Ich gehe regelmäßig zum Zahnarzt und bei anderen Beschwerden zu den anderen Fachärzten!
Einen Allrounder(in) für die grobe Diagnose, um dann zum Spezialisten weitergeleitet zu werden könnte ich mir eigentlich besser als fest installierte Position in jedem Krankenhaus vorstellen.
Diese sind einfach besser ausgerüstet mit dem notwendigen Gerät.
Die Praktizierenden Hausärzte könnten dann sinnvoller im Außendienst eingesetzt werden, als Hausarzt eben.
Geschrieben am 1. February 2008 um 05:32Uhr | Permalink
Manfred Mayer schrieb:
Auch hier zeigt sich: Dienstleistungen von Kundendiensten u.dgl. werden besser honoriert. Verständlich, dass sich Ärzte gegen die schlechte Vergütung wehren. Ob aber ihr Ausstieg etwas bewirken wird, steht in den Sternen. Der Kampf gegen den Bürokratismus ist oft ein Kampf gegen Windmühlen.
Geschrieben am 1. February 2008 um 08:43Uhr | Permalink
Sven schrieb:
Was den Anteil der KVen angeht kann ich bei der KV Bayerns konkrekt keine genauen Angaben machen. Ich denke aber, das die Verwaltungsumlage etwa bei 2-3% des Einkommens liegt. Was ich bei einer Körperschaft öffentlichen Rechts als sehr kostengünstig ansehe. Wenn man bedenkt, dass die eigentlich selbstständigen Ärzte dadurch selber so gut wie keine Buchhaltung benötigen und sich nur noch um die Steuern zu kümmern haben, ist diese Dienstleistung der KVen doch gar nicht mal so schlecht. Schaut man sich die vielen Einzelbeziehungen zwischen Ärzten und Kassen, wird man um eine Bündlung so oder so nicht herumkommen. Eine Abrechnungstelle und Verhandlungen auf Verbandsebene wird es immer geben müssen. Ob die allerdings wirklich nach öffentlichem Recht organisiert sein und bürokratischen Aufwand zum Selbstzweck schaffen muß ist tatsächlich die Frage. Die Beamtenmentalität schafft leider keine Dienstleistungsorientierung sondern eher eine Art Kontrollwahn und den Spass den Arzt mit Formularen zu drangsalieren. Verschärft wird das durch politische Spielchen, die die KV immer wieder als praktischen Prügelknaben darstehen lassen. Dabei sollten aber auch die Kassen nicht ganz außer acht gelassen werden, die viele Dokumentationspflichten einfordern.
Disclaimer: Ja, ich arbeite selber bei einer KV und kann eigentlich nur den Kopf über den Prozessablauf und die Arbeitweise mancher Prozessbeteiligten im Gesundheitssystem schütteln.
Geschrieben am 1. February 2008 um 10:36Uhr | Permalink
Thomas schrieb:
Kann mir denn wer in etwa sagen von wieviel Geld die Rede ist wenn es heißt das der Beruf schlecht bezahlt ist? Es müßte doch ein Durchschnittseinkommen bekannt sein oder warum wird dieser Punkt totgeschwiegen?
Solange man keine 5 Euro die Std. bekommt wie manche Zeitarbeitsfirma diese bezahlt, kann von schlechter Bezahlung sicher nicht die Rede sein
Geschrieben am 1. February 2008 um 13:26Uhr | Permalink