Ministerin gegen Pharma-Industrie
Eigentlich legen sich Ministerien und Pharma-Industrie eher selten miteinander an. Zu beeindruckend und komplex sind die Machtverhältnisse eines jeden als dass man daran groß etwas ändern wollte. Mit ihrer Drohung zur Pflichtzulassung von Medikamenten für neue Anwendungsgebiete hat Gesundheitsministerin Ulla Schmidt aber dennoch einen Schritt in das Wespennest gewagt.
Dahinter steckt der Streit um die Medikamente Lucentis, vertrieben von Novartis und Avastin von Roche-Pharma. Jedoch erfolgt die Herstellung und Lizensierung sowohl von Avastin als auch von Lucentis durch Genentech, an der Roche eine Mehrheitsbeteiligung hält.
Lucentis ist für eine Augenkrankheit (Makuladegeneration) zugelassen und recht teuer. Zu teuer jedenfalls für die klammen Kassen. Die haben nach einem Ausweg gesucht und glauben diesen in Avastin entdeckt zu haben. Das Verhätnis liegt bei ca. 1.500 Euro für eine Lucentis-Injektion zu 50 Euro für eine vergleichbare Avastin Dosis. Das Problem dabei: Dieses Medikament hat “nur” eine Zulassung für die Krebsbehandlung.
Genentech hat wenig Interesse an der preiswerteren Alternative zum teureren Medikament aus eigenem Hause und wohl auch deshalb keine Anstalten gemacht, die Zulassung von Avastin zu erweitern. Genau dies scheint der Ministerin sehr säuerlich aufgestoßen zu sein, was sie zur Forderung nach Pflichtzulassungen veranlaßte.
Die Pharma-Industrie, vor allem vertreten durch den Verband Forschender Arzneimittelhersteller, hält dies für rechtlich nicht möglich und wenn überhaupt dann auf EU-Ebene angebracht.
Sehr wahrscheinlich ist es bereits zu Verschreibungen von Avastin gekommen, dieser “zulassungsübergreifende Einsatz” (Off-Label-Use) Verwendung ist jedoch sehr kritisch zu sehen, insbesondere wenn es eine andere, bereits zugelassene Behandlung gibt (die ja mit Lucentis gegeben ist). Die beiden Mittel unterscheiden sich nicht nur durch das Anwendungsgebiet sondern auch durch die zugelassene Anwendungsart.
Ulla Schmidt hat sich möglicherweise sehr weit aus dem Fenster gelehnt… Die Auseinandersetzung wird nun in die nächste Runde gehen.
gesundheitspolitik gesundheitswirtschaft pharma







Bitte kommentieren Sie