Meldepflicht für Ärzte bei “selbstverschuldeten Krankheiten”

Da gab es mal wieder ein mehr oder weniger verstecktes Osterei bei der jüngsten Gesundheitsreform, das jetzt anfängt zu stinken. Die Meldepflicht für Ärzte bei selbstverschuldeten Krankheiten steht in der Kritik.

Worum geht es? Im Zuge der Gesundheitsreform müssen Versicherte Kosten selber tragen, wenn zum Beispiel Schönheitsoperationen, Tätowierungen oder Piercings zu Komplikationen führen. Das Argument: Diese Krankheiten seien ja selbst verschuldet, dafür muß nicht die Krankenkasse und damit die Allgemeinheit zur Kasse gebeten werden. Doch woher soll eine Krankenkasse wissen, dass eine auftretende Krankheit durch Selbstverschulden hervorgerufen wurde? Ganz einfach: die behandelnden Ärzte müssten dies der Krankenkasse mitteilen, denn nur Sie können – vieleicht neben dem Patienten selbst (der aber den Teufel tun würde dies freiwillig zu melden) – beurteilen, ob eine Krankheit selbst verschuldet ist. Eine Meldepflicht für Ärzte soll jetzt helfen, die Patienten ausfindig zu machen und den Kassen somit Geld ersparen.

Doch moment mal – die Annahme einer selbstverschuldeten Krankheit ist schon sehr gewagt. Denn wer will schon selbst an seiner Krankheit Schuld sein? Nun gut – man kann durchaus versuchen das Gesundheitsbewußtsein der Bevölkerung zu stärken. Aber wie weit kann schließlich und endlich die Annahme der Selbstverschuldung getrieben werden? Wann ist es soweit, dass eine beim Sport (und ich meine hier nicht Extremsport sondern z.B. eine Radtour) zugezogene kleinere Verletzung die in derFolge zu einer womöglich größeren Erkrankung führen könnte, auch selbstverschuldet ist? Oder hätte man gar auf den Einkaufsbummel verzichten sollen, wo doch jeder weiß, dass gerade eine Grippewelle kursiert? Zugegeben – das ist jetzt weit hergeholt, es soll jedoch eine Tendenz zeigen.

Der weitere Aspekt ist der, auf den die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und die Bundesärztekammer (BÄK) aufmerksam machen: Eine Meldepflicht für Ärzte würde die ärztliche Schweigepflicht und das verfassungsrechtlich geschützte Patientengeheimnis aushöhlen. Ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient wäre mit einer Meldepflicht schwerer aufzubauen. Ein durchaus berechtigtes Argument, wie ich finde.

Vermutlich jedenfalls wird bei Inkrafttreten einer Meldepflicht wohl das eine oder andere schwerst entzündete Piercing unbehandelt bleiben.

Ähnliche Beiträge:

2 Responses to Meldepflicht für Ärzte bei “selbstverschuldeten Krankheiten”

  1. Klaus sagt:

    Was bitte ist denn nun eine “selbstverschuldete Krankheit”? Zählt darunter auch wenn ich mir z.B. beim Skilaufen ein Bein breche?

  2. [...] welchem Grund wird es der Krankenkasse gemeldet ? Diese und weitere Fragen bekommt ihr mit einem Klick beantwortet. Den letzteren Beitrag finde ich gut erklärt und ausführlich beschrieben. Wie ist [...]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>