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Illegaler Organhandel an der Uni-Klinik Kiel?

Als am Donnerstag das ARD-Magazin Monitor auf Sendung ging und in einem Beitrag über illegale Organtransplantationen berichtete, traute man seinen Ohren kaum. Unglaublicher als jeder Krimi war die Meldung, betuchte Saudis, die mit Lebendspendern zur Transplantation nach Kiel kommen, würden Lebern hirntoter Spender aus dem Eurotransplant-Raum eingesetzt. Privatpatienten hätten dabei auch Organe erhalten, die nach den Bestimmungen von Eurotransplant nur in Ausnahmefällen für Wartelisten-Patienten außerhalb des Eurotransplant-Raum vorgesehen sind. Auch der Verdacht der Bestechung steht dabei im Raum. Eine Grundlage des Berichtes war eine anonyme Mail.

Die Uniklinik Kiel streitet eine derartige Praxis ab. Die gleiche Mail hatte auch die Klinik im Juni erhalten und hat gegen den Urheber Strafanzeige wegen Verleumdung und Ehrverletzung gestellt. Zudem wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, die keine Hinweise auf eine Praxis des illegalen Organhandels finden konnte.

Laut Monitor-Bereicht seien die Saudis ursprünglich für sogenannte Lebendspenden mit Verwandten vorgesehen gewesen, Konkret sollten sie Teile der Leber eines anderen Menschen erhalten. Dann haben diese Patienten aber ein Fremdorgan eines hirntoten Spenders über Eurotransplant erhalten. Laut Uniklinik war dieses Vorgehen in Übereinstimmung mit den Regeln von Eurotransplant, wonach eine Totspende immer einer Lebendspende vorzuziehen sei. Eurotransplant im niederländischen Leiden reguliert und überwacht die Vergabe von Spenderorganen bei Organtransplantationen. Dennoch prüft die Staatsanwaltschaft Kiel, ob sie ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Organgeschäften des Uniklinikums Kiel eröffnet..

Sowohl die Klinik als auch die Berichterstatter von Monitor bleiben bei Ihrer Meinung und tatsächlich ist der Fall komplexer, als man zunächst annehmen sollte. So hat Eurotransplant seit Januar seine Richtlinien für die Organvergabe geändert. Ausschlaggebend für die Vergabe eines Organs ist nun nicht mehr das Kriterium Wartezeit, sondern die jeweiligen Laborwerte eines Patienten. So sei man an der Uniklinik Kile selbst überrascht gewesen, dass Patienten, die eigentlich eine Lebendspende erhalten sollten, ein Organ aus dem Eurotransplant-Pool erhielten.

Organspenden werden wohl auch künftig ein “heißes Thema” sein, denn schließlich geht es um Fragen der Ethik. Die Frage ist, ob für besser zahlende Patienten Moral und Recht anders ausgelegt wurden. Also muß man auch im vorliegenden Fall vor allem die Moral-Frage stellen. Wie heißt es in Georg Büchners Woyzeck? “Moral ist, wenn man moralisch ist” - und darüber läßt sich viel diskutieren.



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