Rabattverträge

Der Apotheker ist verunsichert… welche Packung ist wohl die richtige? Nein – der Mann versteht durchaus sein Geschäft, in den 20 Jahren seiner Apotheker-Laufbahn hat er noch nie ein falsches Pillendöschen heraus gegeben. Die beiden Packungen enthalten auch Medikamente des absolut identischen Wirkstoffes. Was den Mann aus dem Tritt bringt, ist eher organisatorisch bedingt. Versicherte bekommen einfach unterschiedliche Packungen, je nachdem in welcher der Landesweit 241 Krankenkassen sie versichert sind.

Es handelt sich um eine Auswirkung der Gesundheitsreform. Seitdem gesetzliche Krankenkassen Rabattverträge mit den Arzneimittelherstellern schließen können, kann es sein, dass Versicherte unterschiedliche Medikamente bekommen. Betroffen davon sind die sogenannten Generika – das sind Arzneimittel, deren Wirkstoffe nicht mehr unter den Patentschutz fallen. Die Krankenversicherungen handeln mit den Arzneimittelherstellern Preise für diese Medikamente aus. Der Vertrieb über die Ärzte wird somit überflüssig.

Die Ärzte verschreiben nur noch die Medikamente, die von den Kassen der Patienten ausgehandelt wurden. Bei den Apotheken kommt es zu vermehrtem Beratungsaufwand, weil Patienten plötzlich feststellen, dass Sie nicht Ihr gewohntes Medikament erhalten. Was sich zunächst nach Vorteil für die offizinen Apotheken anhört, da sie hier Ihre Beratungskompetenzen voll ausspielen können, kann sich auch als Nachteil erweisen. Das Problem besteht darin, dass Apotheker ihre Kunden teilweise vertrösten müssen, weil ausgerechnet das Medikament für diesen Kassenpatienten nicht im Lager vorhanden ist. Auch kann es bei den Herstellern zu Lieferengpässen kommen. Hier kommen die Versandapotheken zum Zuge, deren Lager größer sind.
Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) haben bereits für die 43 wichtigsten Generika Verträge abgeschlossen. Meist wurden diese Verträge mit kleineren Herstellern abgeschlossen. Große Firmen wie Stada, Hexal oder Ratiopharm kamen dort nicht zum Zuge.

So werden die Rabattverträge nicht nur die Arbeit von Ärzten und Apothekern, sondern die gesamte Arzneimittel-Branche verändern.

Weitere News zum Thema Rabattverträge:
AOK-Arznei-Rabattverträge / Entscheidung in Stuttgart gefallen
AOK-Arzneirabattverträge: Oberstes deutsches Sozialgericht bestätigt Zuständigkeit des Sozialgerichtes Stuttgart
Gesundheitsreform: Experten entscheiden über Kosten und Nutzen einer Behandlung
Kaufmännische Krankenkasse stellt Arzneimittel-Rabattverträge ab sofort online
Ausschreibungen von Krankenkassen auf dem Prüfstand EUROFORUM-Konferenz
AOK-Arzneirabattverträge weiter auf dem Vormarsch

One Response to Rabattverträge

  1. Nadine Ahlheit sagt:

    Hallo,Rabattverträge hin oder her. Aber warum liest und hört man nichts mehr in den Medien? Bin ich den die einzigste die ein Problem mit dieser einen Verordnung hat? In den Apotheken stehen zig Menschen vor mir in der Schlange, die sich alle darüber aufregen, dass sie nicht mehr ihr altbekanntes Medikament bekommen, bzw wie in meinem persönlichen Fall, dass entsprechende Medikament vom Vertragspartner der BKK Ost Hessen gar nicht liefern kann? Mir ist die Schilddrüse entfernt worden, was beteutet, dass ich mein Leben lang Medikamente nehmen muss! Muss ich als Kassenpatient jetzt nicht nur ewig lange Wartezeiten bei Terminenvergaben, schlechteren Service von Ärzte, weil die Kasse nicht alles zahlt hinnehmen, sondern auf ein für mich lebenswichtiges Medikament auch noch 7 Tage und länger warten, nur weil die tollen Pharmahersteller, mit denen meine Kasseverträge abgeschlossen hat, nicht liefern können? Ich sehe das inzwischen so, dass ich, obwohl ich auch nicht gerade wenig Krankenkassebeiträge zahle und ebenso eine Zusatzversicherung zahle, mir wohl zukünftig nur noch Privatrezepte ausstellen lassen werde, um dann auch ein Medikament zubekommen, was mir a) mein Arzt verordnet hat und b)vorallem auch lieferbar ist! Ich könnte diese falschen Sparmaßnahmen ja bei sehr teuren Medikamenten verstehen, aber in meinem Fall jeden wir über Beträge von Eur 15,- und einen Rabatt für die Kasse von Eur 0,30! Lächerlich oder? Ich wünsche mir, dass mehr Kunden sich bei Ihren Kassen beschweren und ihren Frust nicht an den Apothekern auslasse, die diese blödsinnigen Abkommen nur umsetzen müssen. Und ich wünsche mir, dass die Medien mehr darüber berichten und das Thema, nicht wie sonst so typisch deutsch, einfach so wieder mal hin genommen wird. Jeder regt sich auf, aber alle nehmen es hin!
    Danke, dass ich hier meiner Verärgerung mal Lust machen kann.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>