Dürfen Apotheken Gesundheitsreisen anbieten?

In Apothekerkreisen wird momentan diskutiert, ob die Empfehlung von Gesundheitsreisen aus der Apotheke zulässig sind.

Auslöser ist die Kooperation des Direktreiseanbieters Mediplus Reisen mit der LINDA-Apothekengruppe. Deutschlandweit werden in den Apotheken Reisen angeboten. Manche halten die Gesundheitsreisen aus der Apotheke für rechtlich nicht zulässig, andere sind begeistert von dieser neuen themenspezifischen Service- bzw. Sortimentserweitung für Apotheken.

Der auf Apothekenrecht spezialisierte Kölner Anwalt Dr. Saalfrank hält dies für rechtlich unbedenklich. Die von den Gegnern geäußerte Kritik sei apothekenrechtlich nicht haltbar. Gegen Entgelt gibt es in Apotheken seit Jahren andere Dienstleistungen wie Blutdruckmessungen, Messungen der Knochendichte oder Haaranalysen. Der Bundesgerichtshof erlaubte im Jahr 2000 auch das Anpassen von Kompressionsstrümpfen, da es ein Verbot zum Erbringen von Dienstleistungen in der Apotheke nicht gebe.

Die Vermittlung erfolgt während der eigentlichen Apotheker-Tätigkeit im Rahmen eines Gesprächs mit dem Kunden und steht im Zusammenhang mit der Stellung des Apothekers als Gesundheitsfachmann. Dies ist exakt die Aufgabe, die der Gesetzgeber dem Apotheker auch mit der Liberalisierung des Warensortiments schon im Jahr 2004 zugewiesen hat.“ Damit sieht der Kölner Fachanwalt für Medizinrecht keine eigenständige gewerbliche Aktivität.

Auch die Vermittlung von Wellnessleistungen durch eine Apotheke für einen Wellnessbetrieb wurde durch eine Entscheidung des Landesberufsgerichts Karlsruhe aus dem Jahr 2004 (AZ1/01) freigegeben. Das Gericht sprach die betroffene Apothekerin von dem Vorwurf einer Berufspflichtverletzung frei, weil es eine Gefährdung des Arzneimittelversorgungsauftrages nicht erkennen konnte.

Gegner der Gesundheitsreisen aus der Apotheke argumentierten auch, dass das Risiko einer reiserechtlichen Mithaftung des Apothekers bestünde. Laut Dr. Saalfrank überreicht der Apotheker allerdings lediglich einen Katalog und spricht ggf. eine allgemeine Empfehlung aus. Die Angebotsannahme und die gesamte Beratung für eine konkrete Reise ist dagegen nicht Aufgabe des Apothekers, sondern liegt in den Händen des Veranstalters.

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