Stammzellen aus der Nabelschnur
Die Aufbewahrung der Stammzellen aus Nabelschnurblut könnte sich als Investment in die Gesundheitsvorsorge der Neugeborenen erweisen. Wissenschaftler hoffen, eines Tages mit Hilfe von Stammzellen Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer oder Multiple Sklerose heilen zu können.
“Nabelschnurblut ist viel zu wertvoll, um es einfach zu entsorgen,” so Hebamme Claudia Unruh aus Hamburg. “Niemand weiß, wie wichtig die Stammzellen eines Tages für das Kind sein könnten”. Zwar tragen auch Kinder und Erwachsene Stammzellen in ihrem Körper, jedoch kommt es mit zunehmendem Alter zu biochemischen Schäden. Zum Beispiel durch Chemikalien, Sonnenstrahlen und andere Umwelteinflüsse kommt es zu Veränderungen am Erbgut der Zellen. Da Nabelschnurblutzellen noch jung sind, tragen sie keine solchen Genschäden. Zudem können sie sich noch in eine Vielzahl von Geweben verwandeln – anders als die Stammzellen erwachsener Menschen, die zumeist auf eine zellbiologische Entwicklung festgelegt sind.
Nach der Entnahme wird das Nabelschnurblut mit flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius eingelagert. In Studien wurde nachgewiesen, dass Nabelschnurblut-Stammzellen mindestens 15 Jahre halten, ohne ihre Vitalität und Proliferationsfähigkeit zu verlieren, theoretisch sind aber sehr viel höhere Lagerungszeiten ohne Qualitätsminderung möglich.
Im Falle einer schweren Erkrankung könnte sich dies als Lebensversicherung erweisen. Die zunächst umstrittene, weil auf ihren Nutzwert nicht bewiesene, Aufbewahrung konnte sich jedoch teilweise bewähren. Stammzellen aus Nabelschnur wurden erstmals im Jahr 1988 durch die französische Ärztin Eliane Gluckman in Paris medizinisch genutzt, um ein Kind mit Fanconi-Anämie zu behandeln. Im US-Bundesstaat Illinois haben Ärzte im Jahr 2006 erstmals ein leukämiekrankes Mädchen mit ihrem eigenen Nabelschnurblut behandelt.
Stammzellen aus dem Nabelschnurblut oder aus dem Knochenmark werden heute häufiger eingesetzt, um Leukämie oder andere erbliche Krebsformen zu heilen. Dazu werden mit einer Chemo- und Strahlentherapie die körpereigenen Stammzellen zunächst zerstört. Anschließend werden gesunde Zellen transplantiert, die sich im Knochenmark des Empfängers ansiedeln und dort Blutzellen bilden. Für diese Therapie eignen sich allerdings meist keine körpereigenen Stammzellen, denn sie können bereits den Erbgutfehler in sich tragen. Leukämiekranke benötigen daher einen Stammzellspender, der möglichst ähnliche Gewebemerkmale trägt.
Die Hoffnungen auf Therapien mit Stammzellen aus der eigenen Nabelschnur liegen daher eher bei der Behandlung von Alzheimer, Parkinson, Schlaganfall, Multipler Sklerose, Diabetes Typ 1 oder Nervenschäden. Zukünftig wäre aber auch die Anwendung als Ersatzgewebe nach Verletzungen denkbar. Dafür könnten körpereigene Stammzellen vorteilhaft sein, damit das Immunsystem des Patienten die Zellen nicht als fremd erkennt und abstößt. Da sich in Nabelschnurblut auch pluripotente und proliferationsfähige Stammzellen befinden, gibt es Anlass zur Hoffnung, dass sich daraus in der Zukunft spezielle Gewebe oder Zellverbände zur Behandlung schwerer Erkrankungen züchten lassen.
Öffentliche Blutbanken bewahren gespendetes Nabelschnurblut auf. Dieses ist für Eltern kostenfrei. Die Blutprobe wird anonym aufbereitet und eingefroren. Aus diesem Pool werden Stammzellen gewonnen, die schon jetzt das Leben fremder Menschen retten können. Öffentliche Stammzellenbanken existieren in Deutschland in Düsseldorf, Mannheim, Dresden, Erlangen, Freiburg und München.
Eine Alternative zur öffentlichen Stammzellenbank stellen kommerzielle Anbieter dar. Sie bieten die Konservierung des Nabelschnurblut an. Private Unternehmen, die diesen Service anbieten, haben häufig Verträge mit deutschen Kliniken abgeschlossen.
Ein privater Anbieter ist eticur). Das Unternehmen arbeitet mit der Stammzell-Bank des Universitätsklinikums Erlangen zusammen und lässt dabei alle von der Bundesärztekammer festgelegten Standards für nicht-eigene (allogene) Spenden auch routinemäßig für die Aufbereitung, Testung und das Einfrieren der Stammzellen des eigenen Kindes anwenden. Die private Einlagerung wird ausschließlich für den Spender garantiert. Falls die Eltern jedoch die Nabelschnurblut-Stammzellen Ihres Kindes auf Anfrage einem erkranktem Menschen - einem Familienmitglied oder einem Fremden - zur Verfügung stellen wollen, ist auch dies möglich.








Ramon Albert schrieb:
Gratuliere für diesen Beitrag. Als Gründer und Präsident der ITERA www.itera-ls.org möchte ich darauf hinweisen, dass die Autologe Zellen Therapie laut TERMIS Bericht zunimmt. Übrigens die private Banken kooperieren schon jetzt in Italien zum Beispiel mit den öffentliche Banken, dazu ist auch zu beachten dass eine EU Bank schon lange das Konzept Familiebank anbietet.
Hochachtungsvoll und nochmals herzlichen Dank für diesen sehr objektiven Bericht.
Geschrieben am 21. April 2008 um 10:03Uhr | Permalink